About

Nicole Thurn ist langjährige Karriere-Journalistin (u.a. fast zehn Jahre für die Tageszeitung KURIER) und Gründerin des Online-Portals Newworkstories.com. Die studierte Diplom-Pädagogin bietet Impulse, Workshops und Webinare zur menschzentrierten neuen Arbeitswelt an.

Session

Rebonding statt Reboarding: Zurück zum Ursprung nach der Pandemie?

Ausgangslage: Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Wenn es die politischen Vorgaben zulassen, kehren die MitarbeiterInnen demnächst zumindest teilweise wieder an ihre Arbeitsplätze in den Büros zurück. Dass das Home Office technologisch und organisatorisch funktioniert, wurde im Jahr 2020 endgültig bewiesen. Aufgezeigt wurde aber auch die Schattenseiten der Isolation und physischen Distanz: die Überforderung, brüchige und instabile Bindungen, eine womöglich schon zuvor ungenügende Unternehmenskultur, die nicht mehr in ein virtuelles Miteinander transferiert werden konnte. Und auch die Grenzen des virtuellen Miteinanders, die soziale und emotionale Bedürfnisse in Unternehmen, bei Führungskräften und in Teams blieben oft auf der Strecke.
Das hat mitunter zu psychologischen Effekten für die MitarbeiterInnen geführt, die Unternehmen nicht unterschätzen sollten:

  • mentale und psychologische Gesundheitsprobleme von Antriebslosigkeit bis zu Depression
  • innere bis reale Kündigungen, berufliche Neuorientierung und Mitarbeiterfluktuation
  • Brüchigkeit von sozialen Beziehungen innerhalb Teams, aber vor allem teamübergreifend
  • fehlendes Commitment, fehlende Vision und Mission
Spätestens jetzt sollte die Bindung zwischen den Mitarbeitern und jene mit dem Unternehmen wiederhergestellt oder – wenn schon vor der Pandemie verabsäumt – endlich gestärkt werden. Wir benötigen bei der Rückkehr in die Büros und sonstige Arbeitsplätze also nicht nur ein administratives und technologisches Reboarding mit Einarbeitungsphasen, hybriden Arbeitsformen und entsprechenden Regelungen, sondern auch ein emotionales und soziales Rebonding, das die Zugehörigkeit, das Sinnerleben und die interpersonelle wie emotionale Verbundenheit in der Organisation stärkt. In einigen Unternehmen lag all dies schon vor der Pandemie brach. Hier wird jetzt die Fluktuation soweit möglich einsetzen. Der vielzitierte Fachkräftemangel ist also auch ein Symptom, das während Pandemie, Kurzarbeit und Home Office die Schwächen der jeweiligen Unternehmenskultur und der (branchenbedingten) Arbeitsbedingungen entlarvt hat.